DAS LEBEN FINDET EINEN WEG

EIN ERSTES MANIFEST DER VITALISTISCHEN INTERNATIONALE

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Seit das Zeitalter der Revolutionen vor über zwei Jahrhunderten begonnen hat gab es nie eine bessere Parole als das einfache Diktum welches im Kampf gegen die Dakota Access Pipeline geäußert wurde: Mni Wiconi – Wasser ist Leben. Es wäre also ganz natürlich, wenn die nächste revolutionäre Parole direkter wäre. In einer Art fortgeschrittener Präzision würde Sie ein noch größeres und weniger vermitteltes Potential freisetzen: das Leben.

Der Vitalismus benennt die Resonanz zwischen den Flüssen, den Bäumen und den Wäldern ebenso wie zwischen Objekten, Geistern, Toten und denen die in den sozialen Tod verbannt worden sind. Die Verdorbenheit und die Wärme der Sonne nehmen wir als einfachen Beweis das wir im Leben nicht alleine sind. Die großen Machtstrukturen – Herkunft, Geschlecht, Privateigentum, der Staat – sind nur Garantien der Ausgrenzung. Unter ihnen nimmt das Leben die Gestalt einer Maschine mit Funktion, Mitteln, Enden und Widerständen um sicherzustellen dass alles immer funktioniert.

Es ist bezeichnet dass die Anästhesiologie, die altbewährte Wissenschaft der Betäubung, kein Gegenstück besitzt. Der Vitalismus ist das Gegenstück: eine Ästhesiologie. Vitalismus bedeutet nicht die eigenen Erfahrungen zu verbessern, sondern vielmehr die Entscheidung sich den kreativen Kräften hinzugeben, die von der gegenwärtigen Organisation der Welt festgehalten werden. Vitalisten findet man häufig in den Wäldern, auf Punk-Konzerten, am Strand, bei Tanzveranstaltungen, im schwarzen Block, überall dort wo die Bildschirme nicht so groß sind.

Vitalismus ist eine strahlende Intuition. Die Koordination des menschlichen Körpers mit den Körpern des Denkens, Gewässern, mit auf die Polizei losgehenden Büffeln, Lebensformen mit Kunstformen. Dies ist unsere Bestimmung. Eine Gelassenheit wider der Hyperaktivität, eine Sicherheit der Erfahrung gegen die sogenannte Krise der Wahrheit, ein Wahrnehmen des Todes gegen die Privatisierung der Endlichkeit. Sicherlich werde ich mich ab und an nicht als Vitalist empfinden: Der Kampf des Lebens, um das Leben, ist niemals abgeschlossen. Im Leben wie in der Musik, dem Tanz, dem Kino und den Jahreszeiten ist Endlichkeit die Voraussetzung und nicht das Gegenstück von Macht.

Eine Vitalistische Internationale also – als Vorschlag und als Provokation. Irgendwo zwischen Olympiade und Gegenkultur, zwischen Autonomia und Bauhaus, Quantenphysik und Sun Ra, zwischen dem großen Apachen-Krieger Lozen und Audre Lorde. Bildet Gruppen und Cluster um die Sinne jenseits rein ökonomischen Nutzens einzusetzen. Teilt vitalistische Experimente – sei es durch Plagiate, Post, Skandale oder einen Faustkampf. Es gibt keine Distanz zwischen uns und dem Kosmos. Der Himmel ist das, was schon da ist.

— Die Vitalistische Internationale, Atlanta-Fraktion, März 2018


— The Vitalist International
Atlanta Faction
March 2018

email – vitalism.atl@protonmail.com
twitter – @vitalistint


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